Webmaster-Interview mit ‘Ayom.com’
Das Webmaster-Forum ‘Ayom.com‘ ist mit seinen 3′300 Mitgliedern dank der hohen Qualität der Beiträge und der umfangreichen Wissensdatenbank ein Begriff in der deutschsprachigen Webmaster-Szene. Remo Uherek spricht im Webmaster-Interview u.a. über Community Building und über verschiedenen Instrumente im Internet Marketing Mix.
> Wie lässt sich der Erfolg von ‘Ayom.com’ beschreiben?
Ob eine Website erfolgreich ist oder nicht, lässt sich nur sagen, wenn man die aktuelle Situation mit den anvisierten Zielen vergleicht. Und da wir ziemlich hohe Ziele haben, ist Ayom definitionsgemäss für uns eigentlich gar nicht erfolgreich
.
Doch Spass bei Seite. Ayom ist eine Plattform, die sich mit Internet-Marketing beschäftigt und es sich zum Ziel gemacht hat, Internet-Geschäftsleuten bei ihren Geschäften zu helfen. Wir haben ein gut frequentiertes Forum, eine Wissensdatenbank und eine Domainbörse, die wir unseren Mitgliedern kostenlos zur Verfügung stellen. Unser Erfolg lässt sich durch die angemeldeten und aktiven Mitglieder und durch das ungeheure Wissen, welches Tag für Tag generiert wird, beschreiben. Und dieses Wissen stellen wir strukturiert und aufbereitet frei zur Verfügung, sodass es jeder Internet-Benutzer für seine Geschäfte benutzen kann, egal ob er Ayom-Mitglied ist oder nicht. Unsere Mitglieder knüpfen bei Ayom geschäftsrelevante Kontakte, betreiben Erfahrungsaustausch oder aquirieren sogar Kunden für ihre Dienstleistungen.
Ayom zeichnet sich durch aussergewöhnlich hohe Qualität und eine positive Atmosphäre aus. Die hohe Qualität im Forum und in der Wissensdatenbank wird durch über 15 Moderatoren gewährleistet, die sich ehrenamtlich für die Gemeinschaft einsetzen. Wir haben zwar erst 3300 Mitglieder, was im Vergleich zu entsprechenden englischsprachigen Foren, wo teilweise über 100′000 Mitglieder registriert sind, noch recht wenig ist. Doch da sich nur wenige Prozent der Benutzer wirklich registrieren, gehen wir trotzdem von einem relativ hohen Bekanntheitsgrad bei Webmastern im deutschsprachigen Raum aus. Uns geht es auch weniger um Quantität, sondern vielmehr um Qualität. Deshalb zeichnen wir Mitglieder mit einer hohen Beitragsqualität und entsprechend ausgewiesenem Fachwissen als sogenannte “Experten” aus. Derzeit verfügt Ayom über 21 solcher Experten, die ein sehr hohes Ansehen bei den Mitgliedern geniessen und auch entsprechend ernst genommen werden. All diese Dinge geben Ayom eine eigene Persönlichkeit, auf die wir sehr stolz sind.
> Erzähle die Geschichte von Ayom.com!
Ayom gibt es seit Oktober 2003, ist also eine ziemlich junge Plattform. Zu Beginn hiess Ayom allerdings noch ‘Webmasterforum.ch’. Wir betrieben damals die Affiliate Marketing Plattform ‘Affilium.ch’ und wollten eine Community zum Thema Internet-Marketing aufbauen. Im deutschsprachigen Raum gibt es zwar eine Vielzahl an Webmasterforen, doch die Qualität dieser Foren lässt sehr zu wünschen übrig. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die qualitativ hochwertigste Plattform für Webmaster im deutschsprachigen Raum zu schaffen.
Wir begannen also mit ‘Webmasterforum.ch’, einer Plattform, die lediglich aus einem Forum bestand. Durch die Schützenhilfe von Affilium und diverse Aquisitionen konnten wir die kritische Masse schon sehr früh erreichen. Gleichzeitig entwickelten wir ergänzend zum Forum unsere Wissensdatenbank, mit dem Ziel, das in den Tiefen des Forums steckende Wissen neu aufzubereiten, zu strukturieren und in der Form eines Nachschlagewerks zur Verfügung zu stellen. Die Wissensdatenbank brachte uns einen markanten Wachstumsschub, vor allem durch Suchmaschinen-Besucher. Über 70 Prozent der Besucher kamen aus Suchmaschinen (vor allem Google). Im April 2004 hatten wir 500, im Juni 2004 bereits 1000, und im Oktober 2004 knackten wir die 2000 Mitglieder-Grenze.
Aufgrund des starken Wachstums planten wir auf Ende 2004 einen umfassenden Relaunch. Denn wir waren mittlerweile von einem reinen Forum zu einem regelrechten Portal hinangewachsen. Am 1.1.2005 schalteten wir Ayom.com auf: Neues Design, neuer Name und neue Struktur. Dadurch möchten wir uns international im deutschsprachigen Raum positionieren und vor allem die Wissensdatenbank in Zukunft noch stärker gewichten. Leider haben wir beim Relaunch eine Kleinigkeit übersehen: Ayom.com hatte einen Vorbesitzer und war aus Google ausgeschlossen. Wir mussten uns bis März 2005 gedulden, bis Ayom in den Suchergebnissen von Google zu finden war. Mittlerweile hat sich das Problem allerdings gelöst und wir haben wieder über 20′000 Seiten in Google. Durch diesen Zwischenfall haben wir leider einiges an Wachstum einbüssen müssen. Für die Zukunft sind wir aber trotzdem sehr optimistisch.
> Worauf muss beim Aufbau einer erfolgreichen Web-Community besonders geachtet werden?
Bevor wir Ayom aufgebaut hatten, waren wir jahrelang in anderen (Webmaster)-Foren als Autor oder zumindest als Leser aktiv. Wir sahen sehr schnell, welche Merkmale eine erfolgreiche Community ausmachen und wo die grössten Probleme liegen. Wir hatten daher das Glück, schon vor dem Start von Ayom ziemlich genau zu wissen, welchen Charakter Ayom haben wird und auf welche Merkmale wir besonders Wert legen möchten. Parallel dazu vertieften wir unser theoretisches Wissen über den Aufbau virtueller Gemeinschaften, indem wir das Buch “Community Building - Strategien für den Aufbau erfolgreicher Web-Communities” von Amy Jo Kim studierten und die richtigen Schlüsse für Ayom zogen.
Folgende kritische Meilensteine lassen sich für Communities differenzieren:
- Der Start: Das Erreichen der kritischen Masse an Aktivität und Mitgliedern muss möglichst rasch erreicht werden. Hier ist unermüdliches Engagement des Betreibers gefragt und ein geeignetes Anreizsystem (z.B. Prämien) zur Stimulation der Aktivität einzuführen.
- Erste Wachstumsphase: Es sollte darauf geachtet werden, dass das Wachstum in die angepeilte strategische Stossrichtung geht. Auf Feedback der Mitglieder (und der Umsetzung der Inputs) sollte in dieser Phase besonders Wert gelegt werden.
- Überproportionale Wachstumsphase: Spätestens jetzt sollten erste Moderatoren ernannt und geeignete Regeln eingeführt werden. Die Gefahr in dieser Phase liegt darin, dass die Gemeinschaft eine Eigendynamik entwickeln kann, die völlig in die falsche Richtung geht oder sogar ausufert. Generell darf mit zunehmender Quantität auch mit sinkender Qualität gerechnet werden, der man aktiv entgegenwirken muss.
- Loyalitätsphase: Man sollte seine Besucher und Mitglieder an sich binden. Beispiele sind die Einführung eines Newsletters, Einführung verschiedener Hierarchiestufen und Ermöglichung einer aktiven Mitarbeit der Mitglieder an der Community.
- Erfolg: Wenn die Betreiber bis hierhin gute Arbeit geleistet haben und zahlreiche loyale Benutzer gewinnen konnten, steht dem Prädikat “erfolgreich” eigentlich nichts mehr im Weg.
Bei Ayom haben wir von Anfang an auf klare Regeln und die konsequente Einhaltung der hohen Qualität gesetzt. Nachdem wir Anfang 2004 zu wachsen begannen, haben wir auf einen Schlag 15 Moderatoren ernannt, die die Qualität auch in der starken Wachstumsphase haben halten und sogar verbessern können. Ein grosses Problem jeder Community bleibt ausserdem die Finanzierung. Der Betrieb einer Gemeinschaft kann sehr aufwendig und kostspielig werden. Diese Erfahrung machen wir mit Ayom, das ja eher Non-Profit-Charakter besitzt, gerade sehr intensiv. Erst kürzlich haben wir deshalb ein Sponsoren-Programm auf die Beine gestellt, welches zur Finanzierung unseres weiteren Wachstums einen wichtigen Beitrag leisten soll.
> Welcher Internet-Marketing-Mix hat sich im Aufbau der Community als erfolgreich erwiesen?
Beim Aufbau von Ayom haben wir folgenden Mix verwendet:
- Suchmaschinen-Marketing (primär algorithmische Suche)
- Link-Marketing (durch Linktausch, durch unser eigenes Netzwerk, durch Förderung der freiwilligen Verlinkung)
- Partnerschaften (primär Newslettererwähnungen und Content-Partnerschaften mit Websites aus unserem Netzwerk)
- Guerilla-Marketing (Links in Signaturen von Foren, Signaturen in Emails)
Aktuell sieht die Situation so aus:
- Suchmaschinen-Marketing (sowohl algorithmische als auch kommerzielle Suche)
- Link-Marketing (primärer Fokus auf freiwillige Verlinkung)
- Email-Marketing (Newsletter zur Mitgliederbindung)
- Partnerschaften (mit wenigen, aber dafür strategisch wichtigen Partnern)
- Pressearbeit (Erwähnungen auf Firmenwebsite und Pressemitteilungen)
- Guerilla-Marketing (nach wie vor Links in Signaturen affiner Foren)
Von der Gewichtung her spielt bei uns Suchmaschinen-Marketing eine sehr grosse Rolle. Aufgrund des beschränkten Budgets und des hohen Wirkungsgrads von Suchmaschinen haben wir mit diesem Instrument sehr gute Erfahrungen gemacht. Den ausgesprochen guten Chancen stehen aber natürlich auch entsprechende Risiken gegenüber. Deshalb ist es wichtig, auch andere Instrumente zu verwenden, die das Suchmaschinen-Marketing ergänzen, um die Abhängigkeit nicht allzu stark werden zu lassen.
Nicht jedes Instrument eignet sich allerdings für jeden Zweck. Zur Gewinnung neuer Mitglieder wird Suchmaschinen-Marketing und Pressearbeit in Zukunft bei uns den grössten Beitrag leisten. Zur Mitgliederbindung bzw. Reaktivierung wird allerdings der Newsletter (und ergänzend die RSS-Feeds) entscheidend sein. Es wäre durchaus denkbar, auch Affiliate Marketing zur Mitgliedergewinnung in Communities einzusetzen (das entsprechende Budget vorausgesetzt).
Offiziell zwar nicht im Marketing-Mix vertreten, aber dennoch ein entscheidender Erfolgsfaktor ist Virales Marketing, d.h. “Mund-zu-Mund-Propaganda”. Von seinen eigenen Mitgliedern weiterempfohlen zu werden, stellt ein zentrales Marketing-Ziel mit ungeheurem Potenzial dar. Nur, wer es schafft, diesen Ball ins Rollen zu bringen und diesen Multiplikator-Effekt auszuschöpfen, wird langfristig erfolgreich sein. Dies gilt natürlich auch für Ayom, weshalb wir Viralem Marketing eine immer grössere Beachtung schenken.
> Wie soll ein frischgebackener Webmaster am besten vorgehen, um eine besucherstarke Website aufzubauen?
Die kurze Fassung ist, dass man sich an folgende vier Kriterien halten sollte:
1. Qualitativ hochwertige Inhalte
2. Häufige Aktualisierungen
3. Minimale Ladezeiten
4. Einfache Handhabung
Was sich so einfach anhört, ist in der Praxis natürlich nicht nur einiges komplizierter, sondern macht auch ganz schön viel Arbeit. Bevor man überhaupt anfängt, sollte man das Vorhaben ziemlich genau durchplanen und sich folgende Fragen beantworten:
- Welche Ziele will ich mit meiner Website erreichen? (z.B. Geld verdienen)
- Für welche Zielgruppen erstelle ich meine Website? (z.B. Senioren in der Schweiz)
- Welchen Nutzen soll meine Website bieten? (z.B. Ratgeber für Senioren, damit sie nicht mehr so oft aus dem Haus müssen)
- Welches Budget steht für die Erstellung und den Betrieb der Website zur Verfügung? (z.B. 1000.- CHF für die Erstellung und 100.- CHF pro Monat für den Betrieb)
- Wie verdiene ich Geld? (z.B. Werbefinanzierung)
Das Elementarste einer Website sind nützliche Inhalte. Bietet eine Website keine guten Inhalte, wird sie keine Stammbesucher gewinnen können. Denn nur durch Zufriedenheit kann man sich einen loyalen Besucherstamm aufbauen, den man dann in einem zweiten Schritt ökonomisch nutzt. Die Befriedigung von Bedürfnissen steht an oberster Stelle einer Website, die erfolgreich sein will.
Aber was nützen gute Inhalte, wenn die Bedienung so kompliziert ist, dass man nie in ihren Genuss kommt? Deswegen sollte auch eine benutzerfreundliche Grundstruktur gewährleistet sein. Einfacher Aufbau, schlichtes Design, funktionale Navigation, interne Suchfunktion, Inhaltsverzeichnis.
Jetzt hat man zwar ein nützliches und gut bedienbares Produkt in der Hand, doch niemand kennt es. Die Website muss also vermarktet werden. Je nach Website sollte man dafür 20-50% des zur Verfügung stehenden Monatsbudgets verwenden. Man könnte z.B. eine kostenpflichtige Pressemitteilung versenden, sich kostenpflichtig in Suchmaschinen einbuchen oder Newsletter-Werbung schalten. Durch diese Aktionen werden begeisterte Benutzer Links auf die Website setzen und die Positionen in den kostenlosen Suchmaschinen-Indizes werden steigen. Damit sollte der Ball langsam ins Rollen kommen.
Von nun an sollte man auf das Feedback seiner Benutzer hören, ständig neue Inhalte und Funktionen bereitstellen, die Log-Dateien auswerten und die Website dadurch ständig verbessern.
> Wohin entwickelt sich Deiner Ansicht nach das Web, und welche bekannten oder neuen Website-Formate werden erfolgsversprechend (bleiben)?
Die Zukunft des Web lässt sich nur sehr schwer voraussagen. Wie Jakob Nielsen so schön sagt: „Die einzig garantiert eintreffende Vorhersage ist, dass die einzige Konstante die Veränderung ist.“ Die Dynamik, Komplexität und Geschwindigkeit wird vermutlich stetig weiter zunehmen.
Ausserdem muss das Web erst richtig “erwachsen” werden (genauso wie die Vielzahl an kleinen Internetunternehmen). Es fehlen aber noch grundsätzliche Dinge, wie klare gesetzliche Grundlagen für alle Internetbereiche, die für das weitere Wachstum von entscheidender Bedeutung sein werden. Auch muss sich die Qualität der Inhalte stetig verbessern, ansonsten werden die Benutzer die Lust am Internet verlieren. Es liegt deshalb unter anderem in der Verantwortung der heutigen Webmastergeneration, wie stark das Web in Zukunft wachsen und an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen wird. Deshalb denke ich, dass langfristig nur qualitativ hochwertige Websites überleben werden, sprich Websites, die einen klaren Nutzen bringen, aktuelle Inhalte bieten und bequem zu bedienen sind. Den Unternehmen, die im Web tätig sind, wird in Zukunft bestimmt nicht langweilig werden
.
> Besten Dank für dieses Interview!
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26. Juni 2006 von Hans Kolpak
Es ist merkwürdig. Der Begriff ‘Forumsphäre’ brachte auf google.de nur eine Fundstelle. Und die führte mich heute zu Ayom.com .
Was Ayom.com für mich wertvoll erscheinen läßt? Als Ein-Mann-Betrieb gegegne ich täglich einem Mix an Herausforderungen: WebMaster, Marketing, Vertrieb und Public Relations.
Ein erster flüchtiger Blick auf Ayom.com läßt mich erahnen, daß ich hier genau diesen Mix unter einer Oberfläche vorfinde - in moderierter Qualität.
Für mich ist dieses Portal auf jeden Fall eine genauso wertvolle Entdeckung wie im März xt:Commerce und im Juni Plone. Meine Chance liegt im anwendbaren Wissen und nicht im Hochschulwissen.
Meine Kunden zahlen für Produkte und Dienstleistungen. Mein Gesicht, meine Ausbildung und meine Privatleben ist denen egal, solange die win-win-Situation gewahrt ist.
Auch ist meine Lebenszeit begrenzt, was vor zwanzig Jahren noch außerhalb meiner Realität war. Jetzt bin ich 53 Jahre alt. Und jeder Tag hat 24 Stunden.
Hans Kolpak
KOL
klar offen leicht
12. Oktober 2007 von Alexander Müller
Ich betreibe mit dailytalk.com selber ein Forum und fand den Beitrag deshalb sehr interessant und hilfreich.