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Webmaster-Interview mit ‘DrWeb.de’

Dr. Web‘ ist eines der bekanntesten online Webmaster-Magazine im deutschsprachigen Raum und bietet für jene Leute, die das Internet machen, handfeste Infos und Geheimnisse für bessere und erfolgreichere Webseiten, sowie Tipps und Tricks zur Gestaltung von Homepages. Sven Lennartz spricht im Webmaster-Interview u.a. über das Geschäft mit kostenpflichtigem Content.

Was bietet ‘Dr. Web’?

Das online Magazin Dr. Web bietet für jene Leute, die das Internet machen, handfeste Infos und Geheimnisse für bessere und erfolgreichere Webseiten, sowie Tipps und Tricks zur Gestaltung von Homepages. Dr. Web versorgt seine Leser seit über sieben Jahren mit praktischen Tipps, fachlichem Know-how und kreativen Ideen, ohne jedoch ein Nachrichten-Magazin zu sein oder Pressemeldungen zu veröffentlichen.

Worin liegt der Erfolg von ‘Dr. Web’?

Der wahre Erfolg liegt wohl darin, dass es das Dr. Web Magazin nach fast 8 Jahren immer noch gibt. In dieser Zeit gab es viele Höhen und Tiefen. Die finanzielle Rentabilität ist kein Erfolgkriterium, sondern ein Muss. Das Projekt sichert immerhin einigen Menschen den Lebensunterhalt. Das unterscheidet Dr. Web auch von ähnlichen gelagerten Versuchen, die es immer wieder gab. Wenn’s mal schlecht läuft, muss ich trotzdem weitermachen.

Was habt ihr richtig gemacht, mit einem Magazin, resp. mit Content Geld zu verdienen?

Ein online Magazin ist ein beinahe “lebendiges” Gebilde, bei dem sich täglich was ändert. Auch wenn mal dieses oder jenes ausprobiert und geändert wird, man versucht seiner Linie treu zu bleiben. In unserem Fall heißt das Ideen, Anregungen und Know-how zu vermitteln, ohne zur News-Seite zu mutieren oder nur noch Einsteiger-Tutorials zu machen - die zwar auch nützlich, aber langweilig sind. Ein ständiger Balanceakt eigentlich, den man auch bei Gegenwind durchhalten muss.

Was die Bezahlinhalte angeht - das ist eine diffizile Sache. Da niemand so recht wusste, wie das funktionieren könnte, mussten wir unsere eigenen Erfahrungen damit sammeln. Der Entschluss dazu wurde aus der Not geboren.

Surfer haben doch generell die Erwartungshaltung, dass Content gratis sein muss. Warum geben bei Euch trotzdem Leute für Content Geld aus?

Stimmt. Bei Fachinformationen sieht das jedoch anders aus. Das gibt es zwar auch gratis, aber über Tausende von Websites verteilt, aus Quellen ganz unterschiedlicher Qualität und Aufmachung, in verschiedenen Sprachen und nicht selten bis zum Anschlag mit Werbung überfrachtet - speziell wenn es um Themen wie Suchmaschinen oder Geldverdienen geht. Wer Fachwissen braucht, um seinen Job gut zu machen oder sein Projekt voranzubringen, hat aber kaum Zeit, täglich Stunden auf der Suche nach Informationen zu verbringen. Jedenfalls könnte er seine Zeit sinnvoller nutzen. Wir nehmen unseren Lesern das ab. Zumindest zu einem guten Teil. Bücher wären eine andere Methode. Nur eben umständlicher und viel teuer, da man angesichts der zahlreichen Fachgebiete eine hübsche, kleine Bibliothek braucht, die - wenn man sie denn einmal hat - nichtmal auf einem halbwegs aktuellen Stand ist.

Wie sollte qualitativ hochwertiger Fach-Content angeboten werden?

Im Grunde bleibt uns kaum eine andere Möglichkeit als Bezahlartikel mit “freien” Artikeln und Nachrichten zu vermischen. Experimente mit längeren Anreißern, die beinahe eine Leseprobe darstellen, haben nichts gebracht. Das alles ist eine eher langfristige Sache. Man versucht den wiederkehrenden Leser zu überzeugen, so dass er eines Tages doch zuschlägt. Spontankäufe sind leider unmöglich, da es kein einheitliches Bezahlsystem für Microcontent gibt. Stets sind Registrierungen und so weiter nötig - durchaus ein beträchtlicher Hemmschuh. Wenn es möglich wäre, ich weiß nicht, ob ich darauf setzen würde. Es könnte dazu führen, Artikel möglichst reißerisch aufzumachen. Themen, die als “unsexy” gelten würde man meiden, stattdessen auf hohe Aufmerksamkeit setzen. Solche Überlegungen gibt es im Abo-Modell zwar auch, mir ist aber das Gesamtbild wichtiger. Man kann entspannter arbeiten.

Welches sind die Voraussetzungen, kostenpflichtige Content-Angebote einzuführen?

Man braucht Inhalte, die es sonst nicht gibt, oder die es so nicht gibt. Was man überall lesen kann, Nachrichten oder Börsenkurse beispielsweise, lässt sich nicht verkaufen. Es sei denn, auf eine spezielle Weise, die eine für den Leser nützliche Dienstleistung darstellt. Ein Beispiel dafür ist ein Unternehmen, welches an sich kostenlose RSS-Feeds sammelt, aufbereitet und rubriziert und diese Leistung dann verkauft. Ob sich das dann dauerhaft trägt,ist eine andere Frage.

Im Prinzip muss aber nicht mal das sein. Die Anbieter von Dialer-Websites seinerzeit haben es anders gemacht. Die haben stets das Maximale versprochen. Ob es auch gehalten werden konnte, wusste ein Kunde erst nach Bezahlung. Leseproben gab es in diesem Geschäftsmodell grundsätzlich nicht, man muss sich nicht wundern warum… Ein in jeder Hinsicht zweifelhaftes Modell, das aber für einige Anbieter funktionierte.

Eine vollkommen andere Geschichte sind Studien. Hochwertiger Content, aufwändig erstellt, der aber nur ein kleines Publikum interessiert. Das ist kein Problem, da eine solche Studie auch schon einmal 1000 Euro kosten kann. Bei 10 verkauften Exemplaren hat man seine Ausgaben wieder drin, und wenn es darüber hinausgeht, einen Gewinn.

So gesehen, denke ich, dass auch eine kleine Website durch Inhalte profitabel sein kann. Vorausgesetzt, man schafft es, Projekt, Thema und Leser zusammenzubringen.

Ein Webmaster will hochwertigen Content zu einem Fachgebiet auf dem Web anbieten. Wie stellt er es nun marketingtechnisch an, mit seinem neuen Produkt eine Stammleserschaft aufzubauen, welche später dann für den Content bezahlen soll?

Neu am Markt würde ich zusehen, dass ich eine gute Anzahl Accounts kostenlos verteile. An Meinungsführer, die darüber berichten und die gute Nachricht weitererzählen. Für Aufmerksamkeit lässt sich mit Pressemeldungen und Aktionen sorgen, sofern man ausreichend Spektakuläres zu bieten hat.
Das Dr. Web Magazin war schon seit mehr als 5 Jahren bekannt, als wir mit dem Abo-Modell begannen. Das sind andere Voraussetzungen. Man hat bereits sein Publikum. Wenn auch in einem solchen Fall mit Gegenwind zu rechnen ist. Mancher Leser aus Anfangstagen versteht nicht worum es geht, oder lehnt Content gegen Bezahlung grundsätzlich ab, und bleibt weg. Man verliert einen Teil seiner Leser. Glücklicherweise nur einen kleinen.

Ein populäres online Content-Format sind Blogs. Wie lässt sich damit Geld verdienen?

Es ist möglich. Allerdings klappt das kaum mit einem Einzelblog. Der gern angeführte Pro-Blogger Darren Rowse kann von seinen Werbe-Einnahmen bequem leben. Man muss aber wissen, dass er über ein Netzwerk von 20 Blogs verfügt, die er allesamt selbst betreut. Ein ziemlich stressiger Job also. In Deutschland haben wir das Problem vergleichsweise geringer Reichweite, allein der Sprache wegen. Es ist viel schwieriger ein großes Publikum aufzubauen. Blogs neigen zudem dazu, eher wenige PageViews zu produzieren, verglichen mit anderen redaktionellen Websites. Das mag an der fast 100%igen Verbreitung von RSS in diesen Bereich liegen oder schlicht an der Art und Weise der Organisation der Inhalte. Aber man muss nicht alles an Googles AdSense aufhängen. Sponsoring von Fachblogs oder die geschickte Nutzung von Partnerprogrammen kommen auch in Frage. Und schließlich gibt es Möglichkeiten, wie sie auch Dr. Web früher verwendet hat. Zum Beispiel der Weiterverkauf von Inhalten, oder man schreibt für Andere oder wird durchs Bloggen zum gefragten Experten. Wenn man einige Jahre im Geschäft ist, mag es auch Sinn machen, eine eigene CDROM oder gar ein Buch zu produzieren und selbst zu verkaufen. Sofern die Leserschaft groß genug ist, kann das funktionieren. Bloggen allein reicht aber nicht. Ein durchschnittliches Blog im deutschsprachigen Raum wird kaum mehr als die Serverkosten abdecken können.

Surftipp: Interview mit Darren Rowse

Wir schreiben das Jahr 2015. Wie hat sich das World Wide Web und die Website ‘Dr. Web’ weiterentwickelt?

Ich gehe doch stark davon aus, dann nichts mehr damit zu tun haben zu müssen… ;-) Eine Entwicklung vermag ich leider nicht vorauszusehen. Im Augenblick ist mächtig Bewegung im Web. Man denke an Ansätze wie Social Networking, Web 2.0 und so weiter. In diesem Bereich tut sich viel. Wieviel davon nach dem bereits stattfindenden Hype übrig bleibt, weiß keiner. Und Deutschland hat diese Bewegung noch gar nicht richtig erreicht. Auch Gründungen gibt es zuhauf, es ist beinahe wieder wie früher. Entsprechend viel Geld fliesst auch wieder. Den Unterschied zu damals sehe ich darin, dass mehr auf die Bedürfnisse und Wünsche der Nutzer geschaut wird, und nicht jedem noch so kruden Hirngespinst in Form abstruser Ideen hinterher gejagt wird – obwohl es dahin auch nicht mehr weit ist… Diese Projekte sind ein Stück näher an der Wirklichkeit, auch wenn viele davon letztlich scheitern werden. Am ehesten ist das WWW an seiner eigentlichen Bestimmung, wenn wir von einem unkommerziellen Projekt wie der Wikipedia sprechen.

Vielen Dank für dieses Interview!

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